Land in Sicht? Arbeitskreis Asyl in Balingen ruft Bürger zur Unterstützung für „Sicheren Hafen“ auf

Die Crew der Sea-Watch 3 rettete am 4. Januar 2019 insgesamt 32 Flüchtlinge vor der Küste Maltas. © Chris Grodotzki / Sea-Watch.org

Der Balinger Arbeitskreis Asyl hält trotz Ablehnung durch die Kreistagsmehrheit an der „Sicherer Hafen“-Idee fest. Erwin Feucht schließt ein Bürgerbegehren nicht aus. Von Lea Irion

 

Vor fast genau fünf Jahren lag er da, tot am Strand. Rotes Shirt, blaue Hose, das Gesicht leicht im Sand vergraben. Stunden zuvor war er mit seiner Familie und einem hoffnungslos überfüllten Gummiboot im Mittelmeer untergegangen und ertrunken. Das Foto des dreijährigen Alan Kurdi, dem toten Flüchtlingskind an der türkischen Mittelmeerküste, ging um die ganze Welt.

 

Als „vorhersehbare Katastrophe“ betitelt Erwin Feucht vom Arbeitskreis Asyl in Balingen heute die Zustände einiger Flüchtlingscamps der europäischen Brennpunkte Italien, Spanien, Griechenland.

Das Bild des toten Flüchtlingskindes aus 2015 stünde dabei sinnbildlich für die aus seiner Sicht unzureichende humanitäre Hilfe seitens europäischer Länder. Diese Hilfe wollen Feucht und der Arbeitskreis Asyl auf kommunaler Ebene anbieten – als sogenannter „Sicherer Hafen“ für Flüchtlinge. Dabei ist der Vorstoß kein neuer.

 

Die Vorgeschichte des Hafens

Schon im März schrieb Balingens katholischer Pfarrer Wolfgang Braun, der auch zum Arbeitskreis Asyl gehört, einen Brief an Landrat Günther-Martin Pauli und die Vorsitzenden der Fraktionen des Kreistags. Darin betont er: „Es wäre keine sachfremde Aktion mit ungewissem Ausgang, sondern eine definierbare und machbare humanitäre und christliche Herausforderung für unseren Landkreis.“

Hinter der Initiative Sicherer Hafen steckt im Prinzip die freiwillige Verpflichtung einer Kommune, die Seenotrettung aktiv zu befürworten. Auf der Website der Aktion steht hierzu: „Sichere Häfen fordern im Namen ihrer Bürger die Entkriminalisierung der Seenotrettung und neue staatliche Rettungsmissionen.“

Sichere Häfen sollen sich zudem für neue Programme zur legalen Aufnahme geflüchteter Menschen stark machen – und selbst mehr Kompetenzen fordern, um auch eigenständig Menschen helfen zu können. Sie sollen „deutlich“ signalisieren, dass sie bereit sind, mehr Menschen als bisher aufzunehmen.

 

Die Resonanz auf den Brief von Pfarrer Braun fiel seinerzeit aber eher ablehnend aus – für ihre Gemeinderatsfraktionen lehnten Reinhold Schäfer (Freie Wähler), Helmut Reitemann (CDU) und Dr. Dietmar Foth (FDP) den Vorstoß des Arbeitskreises ab. Der O-Ton dabei: Ein Sicherer Hafen würde nur wenig Sinn machen, da es schlichtweg „Symbolpolitik“ sei und die eigentlichen Akteure in der Flüchtlingspolitik die Länder und der Bund seien.

 

„Wir haben kein allgemeinpolitisches Mandat und sollten nicht anfangen, hier aus vermeintlich moralischer Not von klarer Kompetenzverteilung abzuweichen“, schrieb beispielsweise Dr. Dietmar Foth in seiner Antwort. Kreistage und Gemeinderäte seien schlichtweg nicht die richtige Adresse.

Foth beruft sich hierbei auch auf Artikel 28 des Grundgesetzes. „Die Gemeinde darf über allgemeinpolitische Themen nicht entscheiden und sich hierzu auch nicht äußern. Es fehlt beim Thema Sicherer Hafen ein spezifischer örtlicher Bezug“, formuliert der Kreisrat aus.

 

Sein Kollege Reinhold Schäfer schließt sich dieser Auffassung in seinem Antwortbrief an. „Unseren kommunalen Gremien fehlt die Zuständigkeit für eine direkte Aufnahme von Flüchtlingen, und diese Gremien sind somit nicht der richtige Adressat für Ihr Anliegen“, schrieb Schäfer. Man müsse die Aufgabentrennung zwischen Bund, Land und Kommune berücksichtigen.

„Die Erklärung des Zollernalbkreises zu einem Sicheren Hafen hat de facto keine Wirkung, denn ob Flüchtlinge aufgenommen werden oder nicht, entscheiden nicht die hiesigen Städte, Gemeinden oder Landkreise, sondern die Europäische Union und die Bundesregierung“, antwortete Helmut Reitemann im Namen seiner Partei. Der Zollernalbkreis sei jedoch bisher immer bereit gewesen, Flüchtlinge aufzunehmen und werde dies auch in Zukunft „sehr gerne“ sein.

 

Arbeitskreis-Asyl-Sprecher Erwin Feucht hat Verständnis für diese formaljuristische Argumentation. „Aber es auf andere Ebenen zu schieben, bringt ja auch nichts“, sagt er. Er ist es zudem leid, sein Anliegen immer wieder aufs Neue auszuformulieren. „Die Fakten liegen eigentlich auf dem Tisch, ich muss nicht ständig erklären, warum man humanitäre Hilfe leisten sollte“, sagt er.

Feucht erklärt sich die ablehnende Haltung anderer Fraktionen unter anderem mit einer gewissen Angst: „Viele fürchten sicherlich die Keule der AfD, wenn der Landkreis das Signal sendet, dass man offen für die Aufnahme weiterer Flüchtlinge ist.“ Davor schreckt der Arbeitskreis Asyl jedoch nicht zurück. Erwin Feucht als Sprecher des Arbeitskreises bittet fortan um die Unterstützung der Bürger, Vereine oder Institutionen, die die Initiative auch unterstützen. „Ich maße mir kein Bürgerbegehren an, aber wenn es notwendig wird, ist es so“, sagt Feucht.

 

Dass der „Sichere-Hafen“-Vorstoß des Arbeitskreises auf breite Ablehnung im Gemeinderat und Kreistag stößt, ist für Feucht unverständlich. Er beruft sich hierbei besonders auf Landrat Pauli, der während der Flüchtlingskrise „mit Engagement und Herz vorausgegangen“ sei. Pauli sei einer, „der dahintersteht“.

 

Auf Anfrage hieß es gestern aus dem Landratsamt auch mit Verweis auf die LEA in Meßstetten und das Engagement des Landkreises für ein Schulprojekt in einem Flüchtlingslager im türkisch-syrischen Grenzgebiet: „Der Zollernalbkreis wird selbstverständlich im Rahmen seiner Möglichkeiten geflüchtete Menschen aufnehmen.“ Ganz aktuell habe sich der Landkreis gegenüber dem Ministerium für Soziales und Integration bereiterklärt, kurzfristig bis zu zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen.

 

Bei der Initiative „Sicherer Hafen“ jedoch fehle ein spezifischer örtlicher Bezug. „Der Kreistag ist nicht das richtige Gremium, um allgemeinpolitische Fragen zu entscheiden.“ Hier bedarf es dringend einer Klärung auf EU- und Bundesebene, so Pressesprecherin Marisa Hahn.

 

Wie man helfen kann

Wer den Arbeitskreis Asyl unterstützen möchte, kann eine Mail an ak-asyl-balingen@mail.de oder einen Brief an die Benzstraße 3 in Balingen senden. „Aus diesem Unterstützerpool heraus werden dann weitere Aktionen kommen“, blickt Feucht in die Zukunft. Am Ende gehe es nicht um die Symbolik, sondern „schlicht und ergreifend um das Leben von Menschen“.

Viele fürchten sicherlich die Keule der AfD.

Erwin Feucht

Sprecher Arbeitskreis Asyl

 

(Pressemitteilung vom 23.09.2020 / Erwin Feucht)


Balingen bald "sicherer Hafen"?

 

Um das Thema "Seenotrettung" ging es bei einer Infoveranstaltung der Diakonischen Bezirksstelle Balingen und des Arbeitskreises Asyl am 3.12.2019.

 

Wieder warten rund 60 Menschen auf einem Boot der privaten Seenotrettung auf einen Sicheren Hafen. Denn auch wenn das Thema Seenotrettung gerade wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet, so ist es doch noch immer brandaktuell. „Die Menschen, die sich auf Holzbooten und Schlauchbooten auf den Weg übers Mittelmeer machen, machen das nicht in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Sie machen das in der Hoffnung zu überleben“ erklärte Ines Fischer, Asylpfarrerin der Prälatur Reutlingen, gestern Abend im Rahmen einer Informationsveranstaltung zum Thema Seenotrettung. Rund 40 Personen sind der Einladung der Diakonischen Bezirksstelle Balingen und dem Arbeitskreis Asyl in Balingen gefolgt.

 

In ihrem Vortrag erinnerte Fischer an die Anfänge der Seenotrettung im Mittelmeer. Als 2013 die italienische Küstenwache die Operation „Mare nostrum“ ins Leben rief und innerhalb eines Jahres rund 150.000 Menschen vor dem Ertrinken rettete. Dann wurde die Operation eingestellt. Zu schwierig und zu teuer war es für Italien, diese Aufgabe allein zu stemmen. Als Reaktion startete die EU die Operation Triton, mit der Priorität, Schleuser zu verhaften, nicht jedoch Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Ab 2015 nahmen sich dann private Nichtregierungsorganisationen (NGO) dem Problem an. Zahlreiche Organisationen gründeten sich und entsandten Schiffe, um Geflüchtete zu retten.

 

Seit vergangenem Jahr sehen sich private Seenotretter mit einer zunehmenden Kriminalisierung konfrontiert. Mit dem Fall Carola Rakete, im Juni 2019, erreichte die Problematik, um die Aufnahme von aus Seenot Geretteten einen neuen Höhepunkt.

 

Die Situation von Flüchtlingen im Mittelmeer „geht uns politisch und menschlich etwas an“ so die Reutlinger Asylpfarrerin. Derzeit sind nur noch drei Organisationen aktiv. Noch immer sind Strafverfahren gegen Crewmitglieder aus den vergangenen Jahren nicht abgeschlossen, Freisprüche sind wahrscheinlich, doch die Prozesskosten gegen in die Zehntausende.
Mit der Übertragung der Seenotrettung an die „libysche Küstenwache“ ist die EU „aktiv am Ertrinken beteiligt“ ,betont Fischer. Libyen sei kein funktionierender Staat, die Menschenrechte in den Lagern dort nicht gewährleistet. Von Misshandlung, Folter und sexueller Ausbeutung ist die Rede. Die EU Grenzschutzagentur Frontex, die für die Ausbildung der libyschen Küstenwache zuständig ist, soll in den nächsten Jahren auf bis zu 1,9 Mrd. Euro aufgestockt werden.

 

„Einige Mitglieder der sog. Küstenwache sind vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof bereits wegen Menschenrechtsverletzungen angeklagt“, erklärt Fischer. Sie wünsche sich ein genaueres Hinsehen der Politiker, was hier mit EU-Steuermitteln finanziert wird. Denn „im Mittelmeer findet ein klarer Rechtsbruch statt, da laut Genfer Flüchtlingskonvention niemand an einen Ort zurückgebracht werden dürfe, an dem die Menschenrechte nicht eingehalten werden“ so die Asylpfarrerin.

 

Im Anschluss an die Veranstaltungen wurde noch viel diskutiert. „Es ist unser Ziel, Balingen zum Sicheren Hafen zu machen“ so Feucht, Gemeinderatsmitglied der Grünen in Balingen.

 

(Pressemitteilung vom 3.12.2019 / Philipp Neurath)

 


Café Asyl in der Interkulturellen Woche

 

Auch 2019 war unser „Café Asyl der besonderen Art“ in der IKW ein voller Erfolg.

 

Sehr reichhaltig war die Auswahl an internationalem Gebäck: Afrikanische Poff-Poff, syrischer Kokoskuchen, gefüllte Pfannkuchen aus Tschetschenien, Nussröllchen aus Georgien, russischer Zupfkuchen, Streuselkuchen und Apfelkuchen aus Deutschland und vieles mehr – für jeden Geschmack war etwas geboten und die vielen Gäste griffen eifrig zu.

 

Viel Interesse und Zuspruch erweckte der Kaffee auf eritreische Art, der vor den Augen der Gäste zubereitet wurde.

 

Und die vielen Kinder quirlten munter durcheinander und hatten ihren Spaß.

 

Vielen dank an alle Beteiligten, die etwas zum Gelingen des Cafés beigetragen haben.

 

(Berthild Fechner)

 


Zum 6. Mal – Sommerfest in der Beckstraße am 7.9.2019

 

Der Wettergott war uns hold und wir konnten wieder ein großartiges Sommerfest in der Beckstraße mit vielen Gästen feiern.
Festlich geschmückt präsentierten sich die Tische, denn schon im Vorfeld hatten die Kinder aus der Gemeinschaftsunterkunft zusammen mit den Mitarbeitern der Caritas die Dekoration gebastelt.
Ob nun die Menschen direkt aus der Gemeinschaftsunterkunft oder aus der Nachbarschaft, aus allen Ecken Balingens oder Albstadt kamen – alle hatten großen Spaß an diesem Fest, das verschiedenste Kulturen zusammenbrachte.

 

Spezialitäten aus vielen Ländern bereicherten das Mittagsbüfett und die Kaffeetafel.
Die Kinder konnten herumtoben, sich schminken lassen oder sich beim Bogenschießen ausprobieren.
Als dann noch die Trommelgruppe Kalahari für afrikanische Klänge sorgte, war die Stimmung perfekt. Sich selbst mal an den Trommeln versuchen oder zu den Klängen tanzen – alles war möglich.

Der AK Asyl dankt dem Landratsamt Zollernalbkreis und dem Projekt "Gemeinsam in Vielfalt" herzlich für die finanzielle Unterstützung.

(Für den AK Asyl Berthilf Fechner)


Ausflug in den Freizeitpark „Tatzmania“

 

Der Arbeitskreis Asyl organisierte einen Ausflug in den Freizeitpark „Tatzmania“ nach Löffingen im Schwarzwald. Geworben wurde im Tafelladen, im Cafe Asyl und in der Gemeinschaftsunterkunft in Balingen. Die vergünstigten Bus und Eintrittskarten waren sehr schnell vergriffen. Die Caritas in der Beckstraße hat den Ticketverkauf abgewickelt.

 

Am 5. August machten sich dann 29 Erwachsene und 27 Kinder auf den Weg nach Löffingen. Es war für alle Beteiligten ein spannender und abwechslungsreicher Tag. Der Mix aus Fahrgeschäften für große und kleine Kinder und den vielen Tiergehegen sorgte für keine Minute der Langeweile. Zebras, Tiger, Löwen, Affen, Beuteltiere, Stachelschweine und vieles mehr gab es zu entdecken und zu beobachten. Am Schluss tobten sich noch viele Kinder am Trampolin, Kletterwand und Hüpfburg aus. Müde, zufrieden und glücklich kehrte die Gruppe am Abend wieder nach Balingen heim. Finanziell wurde dieser Tag von der der Stiftung Mensch eine Initiative der Sparkasse, dem Landratsamt und dem Ministerium für Soziales BW unterstützt.

 

(Erwin Feucht,/Arbeitskreis Asyl Balingen)

 


Kleine und große Entdecker im Schiefererlebnispark

 

Die erste Sommeraktivität des Arbeitskreises Asyl Balingen war ein Ausflug in den Schiefererlebnispark Dormettingen.

 

Eine bunte Gruppe von 11 Kindern und 3 Mamas unterschiedlicher Nationalitäten, begleitet von Mitgliedern des AK Asyl, hatten in der vergangenen Woche großen Spaß auf dem „Klopfplatz“ des Schiefererlebnisparkes.

 

Nach einer kurzen Einführung durch Herrn Lörcher – einen ausgewiesenen Spezialisten für Fossilien – ging es auf die Suche nach eigenen Versteinerungen. Mit Feuereifer wurde geklopft und gemeißelt. Jeder Fund wurde genau untersucht und es bereitete große Freude, wenn wieder eine kleine Entdeckung gelungen war.
Die Rucksäckchen wurden ordentlich gefüllt. Ein toller Platz zum Toben und Spielen war der Spielplatz mit seinen Spieltürmen, in denen man nur mit Kletterkünsten nach oben kam und dann mit Juhu die Rutsche hinabsausen konnte.
Ein Picknick am See rundete den gelungenen Nachmittag ab. Müde aber glücklich kehrte die bunte Schar nach Hause zurück.

 

(Text: Berthild Fechner AK Asyl Balingen)

 


Friedensbote - jetzt in Balingen

 

Von Korb über Abtsgmünd nach Balingen: das sind die bisherigen Stationen des Kunstwerks „Hand in Hand auf neuen Wegen“. Am Sonntag wurde es im Beisein von Oberbürgermeister Helmut Reitemann und zahlreichen Balinger Bürger/Innen sowie mit vielen der dort wohnenden Geflüchteten eingeweiht. Aus Korb waren dazu eine beachtliche Anzahl an Mitgliedern des Freundeskreises Asyl samt vieler in Korb wohnender Geflüchteter gereist.

  

Das Kunstwerk steht nun mit seinen in Stein gehauenen Symbolen für Friede, Liebe, Gemeinschaft und Hoffnung in der Stadt Balingen an einem stark frequentierten Spazierweg zwischen Innenstadt und Stadthalle. Geschaffen worden war die Skulptur im Jahr 2017 unter der künstlerischen und handwerklichen Leitung von Jo Nagel für den Skulpturenrundweg der „Köpfe am Korber Kopf 11“, danach war es Teil einer Ausstellung mit Arbeiten Geflüchteter im Kunstschloss KISS in Abtsgmünd.

 

Das Kunstwerk soll Friedensbote sein und steht als Beispiel für das gelingende Zusammenleben von Menschen verschiedenen Alters, verschiedener Kulturen, verschiedener Religionen. Sowohl Balingens Oberbürgermeister als auch Stadtpfarrerin Birgit Wurster wiesen auf die Bedeutung eines friedvollen Miteinanders hin. Ruth Messer – sie hatte die Entstehung des Kunstwerkes seitens der Projektgruppe „Köpfe am Korber Kopf“ für den Skulpturenrundweg in Korb betreut – betonte die Notwendigkeit, gerade in Zeiten von Hass und Mord sich klar für eine gelingende Willkommenskultur einzusetzen. Für den Freundeskreis Asyl Korb erläuterte Rose Schaaf die an acht Seiten in den Porenbetonstein gehauenen Symbole. Der Korber Freundeskreis Asyl hatte noch ein Lesepult anfertigen lassen, auf dem die in Korb zum Kunstprojekt entstandene Broschüre „Hand in Hand auf neuen Wegen“ liegt. Vorübergehende können sich so Einzelheiten zum Kunstwerk selbst erschließen.

 

Berthild Fechner vom Arbeitskreis Asyl Balingen dankte allen Beteiligten und gab ihrer Freude Ausdruck, dass sich zu den Einheimischen aus Balingen und Korb eine so große Anzahl geflüchteter Menschen eingefunden hatte. Nach dem letzten schwungvollen Musikstück des Saxophonensembles der Jugendmusikschule Balingen lud sie zum Mittagsimbiss mit von Geflüchteten vorbereiteten internationalen Spezialitäten. Die Stadt versorgte alle Anwesenden mit Getränken, die an diesem sehr heißen Sonntag mehr als nötig waren. Der Korber Freundeskreis Asyl verabschiedete sich mit der Einladung, die Balinger mögen doch einmal zum Gegenbesuch nach Korb kommen.

 

Übrigens: Guido Messer, der Bildhauer, dessen Bronzefiguren in der Fußgängerzone seit vielen Jahren großen Anklang finden, war am Sonntag bei der Vernissage ebenfalls zu Gast in Balingen. Er ist der Kurator des Skulpturenrundweges der „Köpfe am Korber Kopf“. Bevor das Kunstwerk auf Reisen ging war es für diesen zwischenzeitlich überregional bekannten und jährlich neu bestückten Skulpturenweg im Rems-Murr-Kreis geschaffen worden.

 

(Ruth Messer)

 


"Das letzte Mahl" - ein beeindruckender Filmabend

 

Der 30. Januar 1933 war ein schöner Wintertag. Und der Auftakt zum größten Verbrechen der Menschheit“, erinnerte Artur Egle-Theurer, vom evangelischen Bildungswerk Balingen und Sulz, das gemeinsam mit der katholischen Erwachsenenbildung Zollernalbkreis und dem Arbeitskreis Asyl den Abend veranstaltete.

 

An diesem 30. Januar 1933 spielt der Film „Das letzte Mahl“. Die deutsch-jüdische Familie Glickstein kommt abends zum Geburtstagsessen des Opas zusammen. Schnell drehen sich die Gespräche nur noch um die politische Großwetterlage. „Ich hätte nicht gedacht, dass sich der Alte auf den Trommler einlässt“, findet der Vater Aaron Glickstein (Bruno Eyron), der zwar die kommende Gefahr sieht, aber glaubt, dass die „Witzfigur Hitler“ nur eine zeitlich befristete Erscheinung ist.

 

Anders empfindet das sein Sohn Michael (Patrick Mölleken). „Die NSDAP und Hitler sagen, was die meisten Bürger denken, sie nehmen kein Blatt vor den Mund“, erklärt er. „Die Leute scheinen verrückt geworden zu sein“, sagt seine 19-jährige Schwester Leah (Mira Elisa Goeres). Sie möchte nach Palästina auswanden.

 

Die älteren Mitglieder der Familie fühlen sich hingegen in die deutsche Gesellschaft integriert. Man gibt sich patriotisch, hat das Vaterland im Ersten Weltkrieg verteidigt.

 

Aussagen, die so oder so ähnlich auch heute wieder beim Abendessen ausgesprochen werden könnten, findet die jüdische Künstlerin und Autorin Mina Gampel, die im Anschluss an den Film sprach. „Nach allem, was passiert ist, ist es erschreckend zu hören, was die AfD sagt. Man bekommt Gänsehaut, wenn man hört, dass der Nationalsozialismus ein ‚Vogelschiss‘ sei“, sagte die 78-Jährige. Sie fühle sich hier wohl, sei aber auch beunruhigt.

 

Mina Gampel wurde 1940 in Weißrussland geboren. Es folgten die Stationen Polen und Israel. Seit 50 Jahren wohnt sie nun in Deutschland. „Balingen war meine erste Heimat in Deutschland“, erzählte Mina Gampel. Sie habe zwei Jahre lang das Café Europa in Frommern geleitet, danach zog sie nach Stuttgart.

 

Als die Kinder aus dem Haus waren, erfüllte sie sich einen Lebenstraum und fing zu malen und zu schreiben an. Es entstand ihre Biografie „Mein Leben in vier Welten“. Ihre gemalten Werke stellt sie unter anderem ab dem 22. September in der alten Synagoge in Hechingen aus.

 

Man muss verhindern, dass so etwas noch mal passiert“, erklärte Mina Gampel. Sie wünsche sich mehr Veranstaltungen wie diesen Filmabend. Man müsse das Gespräch suchen.

 

Das macht das „Stuttgarter Lehrhaus – Stiftung für interreligiösen Dialog“ und dessen Vorsitzender Karl-Hermann Blickle. Die Veranstaltungen der Stiftung haben das Ziel, dass Juden, Christen und Muslime nicht übereinander, sondern vielmehr miteinander reden.

 

Seit 1933 habe sich viel getan, so Karl-Hermann Blickle. „Ich hoffe, wir sind heute gegen den Ungeist etwas besser gerüstet“, sagte er. Doch der Teufel komme in der Geschichte nicht im gleichen Gewand. (...)

(Quelle: ZAK vom 4.2.2019)

 

 


Statt dem Nikolaus kam Murksi ins Café Asyl

 

Eine große Kinderschar in Begleitung von Mama und Papa staunte am 05.12.2018 über den kleinen Außerirdischen Murksi, der zu Besuch ins Café Asyl kam.

 

Zuerst ging es im Café Asyl mit Saft, Tee, Kaffee und Weihnachtsgebäck hoch her. Anschließend begeisterte das Puppentheater s’Traumkischtle mit dem Theaterstück „Murksis Irrflug“. Dabei handelt es sich um ein kleines Wesen, das versehentlich auf der Erde gelandet war. Seine Andersartigkeit machte die Erdenkinder zunächst recht ängstlich, doch rasch freundeten sie sich an, zeigten sich untereinander liebenswürdig und hilfsbereit. Murksi heilte die Schnittverletzung des kleinen Paul und mit Hilfe der Kinder konnte Murksi auch wieder nach Hause zurückkehren, denn – wer hätte das gedacht – sein Raumschiff wird durch Abfall angetrieben.

Nach dem Theaterstück durften die Kinder noch ein kleines Geschenk mitnehmen.

Unterstützt wurde diese Veranstaltung des Arbeitskreises Asyl Balingen durch das Projekt "Gemeinsam in Vielfalt", das Ministerium für Soziales und Integration und das Landratsamt.

(Berthild Fechner / AK Asyl)



Um Spenden wird gebeten

Für die Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge suchen wir:

- Kinderwagen

- Fahrräder und Fahrradhelme

- Schulsachen (Schulranzen, Rucksäcke, Mäppchen, Stifte, Hefte ...)

- Geschirr (Teller, Tassen, Töpfe, Besteck, Gläser ...)

- Bettwäsche

- Handtücher

 

Spenden können zu den Büroöffnungszeiten in der Beckstraße 5 abgegeben werden:

- Montag bis Freitag von 9.30 bis 11.30 Uhr

- Montag bis Donnerstag von 14 bis 15.30 Uhr

oder nach telefonischer Absprache:

- Caritasverband für das Dekanat Zollern e.V. Telefon 07433 26 00 784

- Heimleiter Wolfgang Wahl, Landratsamt, Telefon 07433 92 13 62